Taupadel mit Blickrichtung zum „Dorlberg“.
Taupadel liegt ca. 5km westlich vom Zentrum der Stadt Bürgel und ist von mehreren Bergkuppen umringt. „Die Bergkuppen, die aus dem silbernen Nebelmeere emporragen zum blauen, klaren Himmel, sind von den Sonnenstrahlen überflutet, und wie von flüssigem, roten Golde übergossen, schimmern die Baumkronen des Waldes, der ihren Rücken bedeckt. Jetzt dringt der Sonnenblick siegreich vor …“ Diese Worte wählte Ernst Ferdinand Köcher in der romantischen Einleitung seines Romans „Die Burggrafen von Kirchberg“ und beschrieb eine Szene unterhalb des Fuchsturms zu Jena. Doch könnte es gut sein, dass Köcher sich durch die Idylle von Taupadel, wo er 1864 geboren wurde, inspirieren ließ. Wenn unter den Taupadlern die Altvorderen auf einen Berg gehen, sagen sie nicht, sie gehen hinauf, sondern „sie giehn eier nahn“. Ihren Ort nennen sie liebevoll „Tuppadel“. Schon in alten Schriften taucht dieser Name für den Ort auf, dessen Ersterwähnung mit dem Jahr 1256 belegt ist.
Etwa 100 Einwohner zählt das Dorf, in dessen Mitte eine kleine Kirche emporragt, die am 24.10.1680 eingeweiht wurde. Das Dorf hatte auch eine Schule, die gemeinsam mit der Nachbargemeinde Rodigast errichtet und unterhalten wurde.
Klassenfoto unmittelbar vor dem Schulgebäude aus dem Jahr 1906.
Während des zweiten Weltkrieges wurde die Schule geschlossen. Nach dem Krieg wurde sie nicht wiedereröffnet und diente zunächst als Ferienlager, dann als Touristenstation und zuletzt als Schullandheim.
Mit zahlreichen Besuchen der Touristenstation durch Kinder und Jugendliche hat Taupadel einen hohen Bekanntheitsgrad in der nahen und ferneren Umgebung erlangt. Kurt Bauer aus Gösen leitete die Touristenstation über viele Jahre und hat viele Spuren hinterlassen. Er ist ebenso als Maler bekannt. Taupadel oder den „Alten Gleisberg“ hat er oft als Motiv gewählt.
Das Bild „Schneeverwehtes Gleisbergdorf“ stammt aus dem Jahr 1956. Dabei handelt es sich um Taupadel mit dem „Alten Gleisberg“
Der „Alte Gleisberg“ befindet sich unweit entfernt von Taupadel. Durch die Entdeckung von Resten einer ur- sowie frühgeschichtlichen Höhensiedlung erlangte er eine besondere Bedeutung. Er ist aber auch ein beliebtes Wanderziel. Ein lohnenswerter Wanderweg führt von Taupadel aus über den Lindenberg, über den Wachtberg zum „Alten Gleisberg“. Der Weg ist als Naturlehrpfad gestaltet. Eine Vielzahl von Informationstafeln geben Auskunft über die Tier- und Pflanzenwelt. Wege nach unten führen in die Nachbarorte Jenalöbnitz, Löberschütz oder Graitschen. Wer zurück nach Taupadel möchte, kann für den Abstieg die südwestlichen Pfingstrosenhänge des Gleisberges wählen.
Taupadel ist durch die idyllische Umgebung Anziehungspunkt für viele Wanderer. Die Pflanzenwelt ist typisch für das mittlere Saaletal und bietet Orchideen, Kuhschellen, Schlüsselblumen, Veilchen, Leberblümchen, Silberdisteln und vieles mehr. Auffällig und immer noch erkennbar sind die von den Bauern angelegten Pfingstrosenhänge.
Zum wahren Anziehungspunkt hat sich die Trollblumenwiese entwickelt.
Im Verlauf des 2. Weltkrieges sind fünf junge Taupadler Männer gefallen. Zwei Bauernhöfe verloren ihre Existenz, weil die Söhne nicht zurückkehrten. Besonders tragisch war das Ereignis kurz vor Kriegsende, bei dem das Ehepaar Martha und Hermann Dietschi und der Bürgermeister Paul Töpel von den Nazis ermordet wurden.
Über mehrere Jahrhunderte war hauptsächlich die Landwirtschaft die Lebensgrundlage für die Taupadler. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die landwirtschaftlichen Kleinbetriebe durch die Genossenschaftsbildung verdrängt, ein Schicksal das Taupadel mit vielen umliegenden Dörfern teilt. Inzwischen haben die Menschen sich anderweitig orientiert. Auch siedelten sich mehrere Handwerksbetrieb an, darunter auch eine Töpferei.
Taupadel konnte sich seine idyllische Atmosphäre bis heute bewahren und eines Tages werden es die Taupadler wieder schaffen, das in der ganzen Umgebung beliebte Lindenblütenfest auf dem Lindenberg unter freiem Himmel neu zu beleben.